se da

den mundartlichen ausdruck se da (phonetisch [sɛ da], mit betonung der ersten silbe) hört man in der schweiz häufig als begleitkommentar beim überreichen eines gegenstandes. wenn jemand zum beispiel in der küche nach einem schwingbesen fragt, streckt man ihr oder ihm diesen hin und spricht dazu se da! man hört auch etwa se da häsches! ‘hier hast du es!’ und derartiges.

im schweizerischen idiotikon habe ich auf anhieb nichts gefunden, was die herkunft von se da beleuchten könnte, aber im neuen zürichdeutschen wörterbuch von gallmann hat es einen eintrag dazu. gallmann meint, es handle sich beim ersten wort um die befehlsform des verbes sehen, beim zweiten um da wie im hochdeutschen, das ganze heisst also ‘siehe da!’, ‘schau hier!’, was vom kontext her gut passt. etwas seltsam ist nur, dass wir das einfache wort sehen sonst in der mundart gar nicht verwenden. wir brauchen stattdessen für (an-)schauen generell luege (imperativ lueg!), oder sonst gsee für ‘(passiv) sehen, wahrnehmen’ (ohne imperativ). es ist aber natürlich gut denkbar, dass in dieser wendung das noch im hochdeutschen gängige einfache verb sehen, bzw. eben die imperativform siehe!, überlebt hat.

was diese erklärung weiter stützt ist der umstand, dass se da dann exakt französisch voilà entspricht, das aus vois! (‘siehe’) und (‘da, dort’) besteht. ob se da eventuell sogar direkt dieser französischen vorlage nachgebildet ist, wäre noch zu prüfen, scheint mir aber durchaus möglich zu sein.

update 10.2.2015
das idiotikon äussert sich hierzu in Band VII, 1-12, unter dem stichwort sē/se (siehe besonders bedeutung 2a, sp. 7-10, sowie zur etymologie die anmerkung sp. 11f.). die darstellung im idiotikon erweckt den eindruck, es handle sich eher um eine alte interjektion, die erst sekundär mit dem verb sehen in berührung kam. die (mögliche) parallele in französisch voilà wird, soweit ich sehe, nicht erwähnt.

rechts halbhohes u

ich bin vor kurzem auf eine buchstabenvariante des <u> aufmerksam geworden, die mir anhin noch nie begegnet war. es handelt sich um ein <u>, dessen rechte seite nur halbhoch ist. verwendet wurde es in älteren wissenschaftlichen publikationen zur schweizerdeutschen dialektologie, die bedeutung ist offenbar die eines (über-?)kurzen /u/-lautes.

ob dieses besondere zeichen überhaupt im unicode standard vorkommt war mir nicht klar, jedenfalls wüsste ich keine schriftart, die das zeichen enthält. mit fontforge liess sich das problem aber ohne grosse mühe lösen. das resultat sieht dann folgendermassen aus (schriftart ist linux libertine):

die variante der schriftart mit rechts halbhohem u stelle ich auf anfrage gerne zur verfügung. falls jemand mehr über diesen buchstaben und seine verwendungsweise weiss, bitte melden.