kindliche irrtümer

life,off-topic — 30. Jul 2013

von den vielen memes, die derzeit im internet die runde machen, und von denen einige übrigens auch linguistisch interessant sind (zum beispiel die syntax von i’ll show you how to penguin), gefällt mir ein typ besonders gut, nämlich der zu kindlichen irrtümern. diese memes kombinieren jeweils die überschrift “when i was a kid, i thought that… ” mit einem bild eines kindes, das die hand vor seine augen hält, und einem eingeständnis irgendeiner unsinnigen sache, an die man als kind geglaubt hat. so hat etwa jemand im kindesalter gedacht, dass spatzen die kinder von tauben seien, oder dass die runden bullaugen an schiffen als wasserabflüsse dienen, wenn das schiff sinkt. hier gesteht jemand ein, geglaubt zu haben, dass die kühltürme von nuklearanlagen wolkenfabriken seien. besonders gut finde ich das eingeständnis einer anonymen person, als kind geglaubt zu haben, dass die mädchen von ihren müttern geboren werden und die jungen von ihren vätern (kein link, finde es leider nicht mehr).

aus erwachsenenperspektive können wir über solch dumme ideen natürlich schmunzeln. doch so abwegig sind sie vielleicht gar nicht, wenn man bedenkt, dass wir alle einmal bei null mit lernen angefangen haben. schliesslich haben wir uns das ganze wissen, über das wir als erwachsene verfügen, schritt für schritt selber angeeignet. dies geschieht zu einem grossen teil durch beobachten, ausprobieren und, wie junge eltern bestätigen können, durch beständiges fragen. dass es dabei gelegentlich zu irrtümern kommt und wir uns zeitweilig in einer gedanklichen sackgasse verirren, aus der wir dann erst mal rückwärts wieder herausfinden müssen, ist nur zu erwarten.

was mir an diesen kindlichen irrtümern gefällt, ist die vorstellungskraft, die sich darin offenbart. es mag letztlich nur ein simples missverständnis zugrundliegen – gleichzeitig entsteht dadurch die vision einer alternativen welt, einer art hypothetischen parallelwelt, wie sie auch hättte sein können. es kann ganz anregend sein, einmal inne zu halten und sich zu fragen: wie sähe denn eine welt aus, in der die menschen wolkenfabriken bauen? oder eine welt, in der die jungen von ihren vätern zur welt gebracht werden? als kind hat man eben das privileg, so frei zu denken, dass man auch eine solche welt für möglich halten kann.

in diesem zusammenhang möchte ich noch eine geschichte erwähnen, die ich einmal irgendwo über einstein gelesen habe. sehr wahrscheinlich ist sie nicht wahr, aber das hat bekanntlich einer guten geschichte noch nie etwas geschadet ;) jedenfalls besagt die geschichte, dass einstein die idee mit der relativitätstheorie während einer zugreise gekommen sei, und zwar wegen einem mädchen, das im gleichen abteil sass. unterwegs habe ihn das mädchen gefragt, um welche zeit der nächste bahnhof an diesem zug halte. im kopf des mädchen stand also der zug still und die welt fuhr daran vorbei. so kann man es natürlich auch sehen, dachte sich einstein, und die relativitätstheorie war geboren. wahr oder nicht – die geschichte zeigt jedenfalls, wie erfrischend es sein kann, dass kinder die welt ganz unvorbelastet, d.h. ausserhalb der vorgespurten denkbahnen betrachten können.

in memoriam

life — 11. Oct 2010

in memoriam
in memory of hung liu thöny, called joanna (13. feb. 1954 – 11. oct. 2008).