die bildung und das volkswirtschaftsdepartement

politics,Uni — 6. Feb 2011

bundesrat schneider-ammann möchte, genau wie schon seine vorgängerin als wirtschaftsministerin, bundesrätin leuthard, die bildung dem volkswirtschaftsdepartement einverleiben. “die bildung gehört ganz nahe zur wirtschaft”, sagt er.

dem möchte ich widersprechen.

es ist unbestritten, dass die bildung eine wichtige funktion zur speisung der wirtschaft mit kompetenten fachkräften hat. aber die bildung zum ‘teilbereich’ der wirtschaft zu erklären, was die umstrukturierung faktisch zur folge hätte, verkennt, dass bildung viel mehr ist als eine vorbereitung auf bestimmte tätigkeiten in der wirtschaft. bildung, studium und wissenschaft sind für sich alleine genommen hohe güter, die nicht den wirtschaftlichen interessen untergeordnet werden dürfen.

es kann für die schweizerischen universitäten nicht von vorteil sein, wenn die bildung zu stark durch die “ökonomen-brille” gesehen wird. besonders für kleine fächer, die schon jetzt häufig mit abschaffungs- und sparbestrebungen konfrontiert sind, verhiesse das nichts gutes – denn aus sicht der ökonomen “rendieren” natürlich fächer mit wenigen studienanfängern wie indologie, osteuropastudien, prähistorische archäologie, indogermanistik usw. nicht. dass deren abschaffung ein grosser verlust wäre – wenn auch nicht einer, der in budget-berechnungen sichtbar würde – brauche ich wohl nicht zu betonen.

ich untestütze deshalb nachdrücklich die linie von schneider-ammanns parteikollegen burkhalter, der sich – soweit öffentlich bekannt – mit händen und füssen dagegen wehrt, dass die bildung dem wirtschaftsdepartement angeschlossen wird. burkhalter beurteilt die situation m.e. genau richtig, wenn er “befürchte[t], dass die universitätsbildung sonst nur noch nach ökonomischen kriterien beurteilt würde, was für die forschung und lehre verheerend wäre” (nzz am sonntag vom 6. februar 2011, s. 15).