Von dedizierten und dezidierten Grafikkarten

Etymologie,Germanistik — 3. Sep 2016

Heutige Computer-Prozessoren sind ab Fabrik häufig mit einem eingebauten Grafikchip ausgerüstet. Dies erlaubt es PC-Bauern, auf den Einbau einer herkömmlichen Grafikkarte (Steckkarte) zu verzichten, sofern keine hohen Grafik-Anforderungen bestehen. Es gibt daher heute Computer mit und ohne eingebauter Grafikkarte. Sofern eine Grafikkarte vorhanden ist, übernimmt diese die Grafik-Berechnungen, ansonsten kommt der (langsamere) integrierte Grafikchip zum Zug.

Dieser Umstand macht es bisweilen nötig, auch sprachlich zwischen beiden Konfigurationen zu unterscheiden. Auf Englisch liest man in diesem Zusammenhang meistens den Ausdruck dedicated graphics card, also eine Steckkarte, die sich ausschliesslich den Grafik-Berechnungen widmet, während der Prozessor in der anderen Konfiguration eben die Grafik-Berechnungen als eine von mehreren Aufgaben übernimmt. Interessant ist nun – womit wir endlich beim Thema wären – dass die dedicated graphics card nicht immer gleich ins Deutsche übersetzt wird. Man liest manchmal von einer dedizierten Grafikkarte, manchmal aber auch von einer dezidierten Grafikkarte. Kürzlich habe ich sogar beides in ein und demselben Artikel angetroffen. Aber was ist jetzt richtig?

Zunächst zur Herkunft der beiden Wörter: Beide stammen aus dem Lateinischen, sie gehen auf die Verben lat. dēdicāre ‘weihen, widmen’ bzw. lat. dēcīdere ‘entscheiden’ zurück.

Aus dem oben Gesagten geht hervor, dass hier die Bedeutung ‘gewidmet’ gemeint ist, eben weil sich die Steckkarte ganz den Grafik-Berechnungen widmen kann und soll. Und diese Bedeutung kommt von der Etymologie her eindeutig dem Partizip dediziert zu, das ja auch dem englischen dedicated entspricht. Dezidiert bedeutet dagegen ‘entschieden’, zum Beispiel in der Wendung dezidiert zu etwas Stellung nehmen, und ist hier fehl am Platz.

Was die Leute wohl zögern lässt, dediziert zu verwenden, ist der Umstand, dass das Verb dedizieren im Deutschen kaum mehr gebräuchlich ist, als stilistisch “gehoben” gilt und auch nur in speziellen Kontexten auftritt. In Korpus-Belegen kommt es vor allem im Zusammenhang mit einer persönlichen Widmung oder Schenkung vor, zum Beispiel jemandem ein Buch dedizieren. Die Bedeutung ‘ausschliesslich einem bestimmten Zweck gewidmet, fest zugeordnet (von Grafikkarten, Servern usw.)’ im Kontext der Informatik scheint erst in jüngerer Zeit unter dem Einfluss des Englischen dazugekommen zu sein. Dezidiert ist dagegen häufiger (und scheint im 20. Jh. sogar einen erstaunlichen Boom durchgemacht zu haben, der noch anhält), weshalb man es aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit wohl gern einmal anstelle von dediziert einsetzt, auch wenn es von der Bedeutung her eigentlich nicht passt.

einführung von ECTS-punkten in den geisteswissenschaften – ein gegenentwurf

opinion,Uni,VGS — 17. Jun 2015

über die bologna-reform kann man geteilter meinung sein – sicherlich hat das neue system sowohl vor- als auch nachteile. in einem bereich scheint mir aber nicht bestreitbar zu sein, dass das neue system einen rückschritt darstellt, nämlich im bereich der studienordnungen, besonders der art und weise, wie das ECTS-punkte-system umgesetzt wurde. hier ist es zu einer enormen aufblähung des systems gekommen, die studienordnungen sind heute sehr kompliziert und unflexibel – und zwar nicht bloss deshalb, weil wir uns wegen der verschiedenen kinderkrankheiten des systems aktuell in einer phase der “dauerreform” befinden und es diverse übergangsregelungen braucht, sondern weil das system in konzeptueller hinsicht zu kompliziert ausgefallen ist. ich erwähne nur dies: die BA/MA-studienordnung des deutschen seminars ist heute 88 Seiten lang, die gesamtausgabe der studienordnung an der philosophischen fakultät der UZH (gültig bis 2010) umfasst unglaubliche 727 seiten! (zum vergleich: die studienordnung meines liz-studienganges, in den ich mich 2001 einschrieb, umfasste 3 seiten; für andere fächer wird es damals ähnlich gewesen sein).

meines erachtens wurden bei der bologna-reform von anfang an gewisse weichen falsch gestellt. und zwar kam das von ganz oben. so wurde an der universität zürich bereits in der richtlinie zur umsetzung der bolognareform des universitätsrates im jahr 2004 gesamtuniversitär vorgeschrieben, dass die studiengänge in module zu gliedern seien und dass die vergabe von ECTS-punkten an die module geknüpft sei – aus meiner sicht beides schlechte entscheide mit schwerwiegenden folgen.

das konzept der module hat man unbedarft aus den naturwissenschafen übernommen. dabei wurde nicht berücksichtigt, dass das geisteswissenschaftliche studium grundsätzlich anders organisiert ist als das naturwissenschaftliche. in den naturwissenschaften sind die stundenpläne grösstenteils vorgegeben, d.h. alle studierenden der studienrichtung X belegen im semester 3 die veranstaltungen B, C und D; es gibt kaum wahlmöglichkeiten. es macht dann sinn, dass man inhaltlich zusammengehörige veranstaltungen in modulen zusammenfasst und gemeinsam abprüft. das geisteswissenschaftliche studium ist demgegenüber davon geprägt, dass studierende ganz individuelle stundenpläne zusammenstellen. jeder hat andere fächerkombinationen, andere schwerpunkte. zudem arbeiten viele teilzeit und müssen sich gewisse wochentage/tageszeiten freihalten. das alles erfordert eine hohe flexibilität. das konzept der module hat hier keinen platz und macht die dinge bloss unnötig kompliziert.

im sinne eines kleinen gedankenexperiments hier also mein gegenentwurf zum aktuell gültigen ECTS-system an der uni zürich.

in meinem system gibt es keine module. ECTS punkte werden grundsätzlich für lehrveranstaltungen vergeben. ECTS punkte können zusätzlich in gewissen fällen für “veranstaltungslose” leistungen angerechnet werden, z.b. für abschlussprüfungen, abschlussarbeiten oder für akzessprüfungen (prüfung von inhalten aus selbstständiger lektüre). gebucht werden immer und ausschliesslich lehrveranstaltungen. für andere leistungen wendet man sich an die zuständigen dozenten und diese kümmern sich um die anrechnung. das macht sinn, weil abschlussarbeiten und -prüfungen sowieso immer mit einer besprechung beim betreuenden dozenten beginnen. jede lehrveranstaltung ist einzeln wiederholbar (das ist im aktuellen system nicht gegeben und führt zu verschiedenen problemen).

es gibt studiengänge, z.b. germanistik oder skandinavistik. bei jeder lehrveranstaltung wird einzeln festgelegt, für welche studiengänge sie angerechnet werden kann. pro lehrveranstaltung können das ein oder mehrere studiengänge sein. so kann eine veranstaltung z.b. für “GERM” (nur germanistik), “GERM, SKAND” (germanistik und skandinavistik), eine dritte für “GERM, SKAND, VGS” (germanistik, skandinavistik, vergleichende germanische sprachwissenschaft) angerechnet werden. dies erlaubt sehr leichtes cross-listing, was den kleinen und interdisziplinären studiengängen zugute kommt. ein studiengang 180 punkte bachelor in VGS besteht dann zum beispiel aus: 160 punkte VGS-lehrveranstaltungen, 10 punkte studium generale und 10 punkte für die abschlussprüfungen.

bei der buchung der lehrveranstaltungen gibt es abhängigkeiten. so kann etwa “hieroglyphenluwisch 2” erst gebucht werden, nachdem “hieroglyphenluwisch 1” besucht wurde. diese vorbedingungen werden von den dozierenden festgelegt, wenn sie eine lehrveranstaltung eingeben: für ein seminar in der germanistik können etwa die vorbedingungen gewählt werden, dass der synchrone grundkurs sowie der phonetik-kurs bereits absolviert sein müssen. auch allgemeine bedingungen können auf diese weise festgelegt werden, etwa “nur MA” bei seminaren. abgesehen von diesen beschränkungen können aus dem angebot zum eigenen studiengang beliebige veranstaltungen – und in beliebiger reihenfolge – gebucht werden.

der studienabschluss wird folgendermassen gehandhabt. für den abschluss ist es zunächst einmal nötig, die erforderliche punktezahl erreicht zu haben. zusätzlich können weitere abschlussbedingungen festgelegt werden. solche abschlussbedingungen können beispielsweise sein: die bedingung, …
… dass gewisse pflichtveranstaltungen besucht worden sind,
… dass mindestens 3 seminare mit seminararbeit belegt,
… oder dass diese bei mindestens zwei verschiedenen dozenten absolviert worden sind.

sowohl die abhängigkeiten als auch die abschlussbedingungen werden im buchungstool als restriktionen einprogrammiert, so dass die studis bei der modulbuchung entsprechend “geleitet” werden und jederzeit sehen, welche veranstaltungen für sie buchbar sind, welche bedingungen sie schon erfüllt haben und was bis zum studienabschluss noch zu tun ist.

mit diesen wenigen eckpunkten ist meines erachtens schon alles gegeben, was man für die einführung von ECTS-punkten und für die entsprechenden studienordnungen benötigt. bestimmt ist das hier beschriebene system auch nicht ohne fehler. gut möglich, dass sich im praxistest noch einige komplikationen ergeben würden. ich wage aber zu behaupten, dass man mit diesem system, das dem alten liz-system nahe steht, eine flexiblere, logischere, und vor allem deutlich einfachere lösung gehabt hätte, als was wir jetzt haben.

An electronic edition (in progress) of the Pólenstator-saga

philology,VGS — 23. Jun 2014

Together with some peers from the ‘Master Class’ of the Arnamagnæan Summer School in Manuscript Studies of 2012, i have been working on an electronic edition of a little-known post-reformation icelandic saga, sagan af pólenstator ok möndulþvara. An electronic edition of the saga according to one manuscript, ÍBR 41 8vo (19th ct.), is now available online, together with an introduction and some background information.

Note that this is still work in progress and far from perfect. I should also hasten to add that it is not a critical edition, as we decided to concentrate on a single manuscript. As regards the story, be warned that it is simplistic, overblown and overall rather ridiculous. Despite all that, we are still proud to present the first and so-far only available edition of sagan af pólenstator ok möndulþvara.

wieso das herkömmliche buch noch nicht ausgedient hat

e-books sind in mode. kürzlich überraschte sogar der SNF mit der ankündigung, zukünftigt ausschliesslich digitale publikationen finanziell zu unterstützen. steht das ende des herkömmlichen buches bevor?

ich glaube nicht. das herkömmliche buch hat nämlich im praktischen gebrauch nach wie vor gewisse vorteile, woran man vielleicht auch den SNF einmal erinnern sollte. hier eine liste mit den aus meiner sicht bedeutenden vorteilen des herkömmlichen buches:

  1. das papierbuch ist dreidimensional, was die navigation erleichtert. es ist viel leichter, sich zu merken, was ungefähr wo im buch gestanden hat, da man sein räumliches vorstellungsvermögen dazu benutzen kann. die dreidimensionale struktur ermöglicht zudem dinge wie ein rasches durchblättern, das leichte überspringen eines kapitels, das vor- oder nachblättern ohne die aktuelle lesestelle aus den augen zu verlieren, einen unkomplizierten quervergleich von zwei entfernten seiten usw.; all das geht bei einem e-book nicht.
  2. das papierbuch hat eine markant bessere auflösung als die meisten e-book lesegeräte. hierzu folgender hinweis: die punktdichte (dpi bzw. ppi) eines durchschnittlichen laserdruckers beträgt 600-1200 dpi, diejenige eines computer-bildschirms bewegt sich dagegen typischerweise um die 90-120 ppi. aus diesem grund sehen gedruckte schriften in der regel sehr scharf aus; am bildschirm erscheint die schrift dagegen verwaschen und unscharf. wie jeder typograph bestätigen wird, ist eine punktdichte von 90-120 ppi viel zu wenig, um ein scharfes schriftbild zu erreichen. man greift daher softwareseitig zu tricks wie hinting, damit es am bildschirm nicht ganz so mies aussieht. wenn man jedoch am bildschirm ein ähnlich gutes schriftbild erreichen möchte wie beim gedruckten buch, müsste man die bildschirmauflösung massiv erhöhen – soweit ist die technik zur zeit noch nicht.
  3. das papierbuch hat keinerlei abhängigkeiten: man braucht nichts ausser dem buch, um den text lesen zu können. im gegensatz dazu hat das e-book diverse abhängigkeiten: es braucht ein (unter umständen teures) lesegerät (hardware). dieses braucht eine stromversorgung. es braucht software, die unter umständen kostenpflichtig ist. sowohl software als auch hardware brauchen maintenance (etwa, um updates einzuspielen). man braucht zudem auf die eine oder andere weise zugriff zum internet, um neue e-books draufladen zu können. all dies kostet geld und zeit und ist zum teil mit weiteren nachteilen verbunden, z.b. mangelnde mobilität wegen abhängigkeit von strom (sein e-book kann man unter umständen auf dem campingplatz nicht lesen, wenn dort der strom fehlt). mit einem papierbuch braucht man sich über keinen dieser punkte gedanken zu machen.
  4. das papierbuch ist ausserdem weder von bestimmten dateiformaten noch von allfälliger DRM-software abhängig. beim e-book geht man das risiko von kompatibilitätsproblemen ein (wer weiss schon, ob zukünftige lesegeräte die heutigen e-book-dateiformate noch unterstützen?). zudem kommen die geräte häufig mit DRM-software, die den herstellern weitgehende rechte einräumen, z.b. die fernlöschung von dokumenten (siehe hier). keine dieser sorgen hat man mit einem papierbuch.
  5. mit papierbüchern hat man erfahrung mit der langzeitarchivierung. ob papierbücher oder e-books besser sind im hinblick auf die langzeitarchivierung lässt sich momentan nicht sagen, jedoch hat man mit den papierbüchern erfahrung (mehrere jahrhunderte), mit e-books dagegen nicht. (unschlagbar sind in dieser hinsicht natürlich pergamentbücher oder steininschriften…)
  6. papierbücher ermöglichen das unkomplizierte anbringen von notizen, unterstreichungen, buchzeichen usw. zwar mögen gewisse e-book-reader gewisse derartige funktionen unterstützen, doch klappt das nach meiner erfahrung kaum je wunschgemäss. einfache textnotizen mögen noch gehen, doch sobald es komplizierter wird (z.b. phonetische sonderzeichen, kleine skizzen, pfeile), stösst man an die grenzen. solche funktionen werden zudem meines wissens nur in bestimmten e-book-formaten angeboten, was wiederum zu potentiellen kompatibilitätsproblemen führt.

das papierbuch unterliegt natürlich in anderen bereichen, vor allem der mobilität (da e-books abgesehen vom lesegerät weder platz noch gewicht beanspruchen) sowie der suchmöglichkeiten (blitzschnelle volltextsuche). aufgrund der genannten punkte scheint mir jedoch klar, dass das e-book das herkömmliche buch noch nicht in näherer zukunft (wenn überhaupt je) ganz ablösen wird. persönlich ziehe ich für die lektüre längerer texte nach wie vor das papierbuch vor.

links
gute bücher benötigen zeit und papier (NZZ feuilleton)

Dissertation nun online verfügbar

Wie angekündigt ist meine Dissertation nun online als PDF-Download verfügbar, zu finden im Document Repository der Uni Zürich. Als Lizenz habe ich die “Creative Commons: attribution-noncommercial-no derivative works 3.0” gewählt. Das Dokument darf also frei bezogen und verteilt, aber nicht verändert oder kommerziell genutzt werden.

Die Onlinefassung ist seitenidentisch mit der gedruckten und ist vollständig durchsuchbar (Volltextsuche).

Zur Erinnerung, das Werk ist auch weiterhin als Buch direkt beim Verlag bestellbar. Einige Hintergrundinformationen zu dieser doppelten Publikationsstrategie hier.

English:
As announced, my dissertation is now available online as a PDF download. It can be found in the document repository of the University of Zurich. I chose the “Creative Commons: attribution-noncommercial-no derivative works 3.0” license. This means that the document can be downloaded and shared freely, but cannot be changed or used commercially.

The online version is page-identical to the printed one and is fully searchable.

As a reminder, you can also order the dissertation as a book directly from the publisher. Some background information about this dual publication strategy can be found here.

some background information about the publication of my PhD thesis

copyright,Diss,Open Access,Uni — 11. Feb 2014

as previously reported on this blog, my PhD thesis has appeared as a printed book last summer. in addition to that, i am also going to publish it electronically as a PDF document in my university’s document repository (open access) next month (march 2014). in this blog post, i want to go into some details about this dual strategy, as i have been thinking long and hard about how to best approach the matter of this publication.

according to the PhD regulation of my university, i am required to publish my thesis in order to receive the PhD diploma. my university leaves me a choice between two options for publication: either the traditional way with a publisher, or an electronic publication. in the second case, i submit it as a PDF to the zentralbibliothek in zurich and they make it publicly accessible online.

the main issue for me was that i wanted both things at the same time: a physical book, printed on paper, as well as an electronic, open access (OA) compliant publication. i wanted the book, because i enjoy having a physical book in my hands more than having a PDF on my harddrive, but also because placing it in an established series would be good for my career: members of the scholarly community are more likely to discover it there and they recognize a certain ‘brand value’ in an established series / publisher. on the other hand, i wanted to have the open access publication, for two reasons. first, because i am convinced by the core idea behind open acess: that publicly-funded research results should be made available publicly. second, because distributing a PDF has a number of positive effects: people find it on google, people are allowed to spread and share it as they wish, people can link it on websites, search it (full-text search) etc. these things are very much in the interest of me as an author, as i want to make it as easy as possible for anyone to find, access and search my writing.

so my strategy was to approach publishers and see whether i can find one that will take the book, but allow me to do a simultaneous OA-publication. my hope for that was initially low, as publishers usually demand that you sign away all rights on the text before they accept it. this makes sense from their point of view, as they want to be sure that the author will not distribute it any other way (e.g. with another publisher or by himself), thereby hurting their sales. however, as the open access regulation of my university encouraged me to negotiate the rights with the publisher in that way, i thought i would give it a try.

at first, i contacted the editor of a well known book series in our field. he expressed interest in including the book in his series. unfortunately, he had recently handed over all rights on the series (both journal and monographs) to john benjamins, a commercial publisher. as i explained that i want to withhold the right for an OA-publication from the deal, he refused it immediately, saying that the publisher would not allow it. so i gave up on that and contacted the editor of a different series. he, too, was willing to accept the book right away. i brought up the topic of a OA-publication, and he had nothing against it. whether this was due to the fact that he did not fully understand what it was all about, or whether he simply didn’t mind, i don’t know. anyway, we agreed to go ahead with it and the book was in fact published there last summer. for some time during the process, i was nervous that the editor might ask me to sign an author’s contract which would rule out the OA-publication (from what i know, there is usually a passage about ‘granting exclusive rights’ to the publisher in those contracts, which i would have been unwilling to sign, obviously). however, i never signed any such contract and the book appeared anyway. so legally, i never gave away any rights on that work and i can still do with it what i want. that is what will allow me to upload it as a PDF to my university’s document repository come march of this year. if the editor would have asked me to sign a contract, i would have attempted negotiations with him to change the contract so that it reads ‘grants all rights to the publisher, except the one to store an electronic copy in the university’s document repository’. fortunately, it didn’t come to that.

the PDF publication is going to happen roughly 6 months after the book publication. i chose the embargo period of 6 months by myself, out of consideration for the publisher’s commercial interests. the uploaded PDF document will be page identical with the printed one and fully quotable. it will also have a prettier title page :)

another approach that i considered was to do an electronic publication first, then submit it to a publisher later. this would, among other things, have had the advantage that i could have avoided to submit 30 exx. to the zentralbibliothek (which was costly). the question is whether any publisher would still take it after it has already been published electronically (i would guess most publishers say no). the second point is that i wouldn’t know whether the printed version would have the same page numbering – depending on the publisher, they may want to set it in their own layout engine and it will result in a different page numbering. as i’m strictly against having two versions of the same text with differing page numbers in circulation, i ultimately decided not to go down that road.

in a way, you could say that i simply got lucky to find a publisher that didn’t stop me from doing a simultaneous OA-publication. and that is certainly true. however, i did have a backup plan in case that would have failed. if they would not have allowed it, i would have given up publishing with an established publisher entirely and done the electronic publication first. later, i would have printed some copies on my own account with one of the many print-on-demand services. for example, amazon has such a service. i have never used it myself, but it looks promising: it is relatively cheap, the author gets to keep the rights on his work, the book gets an ISBN number and appears in the amazon catalogue. it is relatively cheap as they print copies only when someone actually orders one, thereby eliminating the risk of printing too many exx. and sitting on a pile of books they can’t sell (what is called auflagenrisiko in german). that way, i could have had both the book and the OA-publication, too. as i had done all the typography and page layout by myself anyway, there is actually quite little that i would have missed out on by avoiding a publisher altogether. the only service that i could think of which the publisher provided for me (besides a few comments on the manuscript by the editor) is some advertising and sending out of review copies.

in conclusion, i would recommend anyone to think well about the conditions under which they sign away the rights on their work. authors should realize that they are in a strong position to negotiate, as the publishers depend on receiving good manuscripts. i would even go as far as to say that the publishers depend on the authors more than the other way around. while not everyone may have the chance to do a dual publication as i did, it is certainly worth trying.

i would also recommend against going with a traditional publisher simply for career reasons. first of all, if the book is any good then people will find out about it and read it anyway. it doesn’t really matter where it appears. in fact, going with a traditional publisher can very well lead to fewer people reading your work, as they tend to put such high prices on their books that very few people can actually afford to buy them.

etymologische aha-erlebnisse

Etymologie,gelesen — 18. Jan 2014

für mich gibt es kaum etwas schöneres in der sprachwissenschaft als etymologische aha-erlebnisse. auf einmal geht einem ein lichtlein auf und man versteht, wie die dinge zusammenhängen. unvergessen ist für mich zum beispiel der moment, als mich ein mitstudent darauf hingewiesen hat, dass atom und individuum eigentlich das gleiche ist. das benennungsmotiv und die wortbildung entsprechen sich in der tat genau: in beiden fällen war die ursprüngliche bedeutung ‘das unteilbare’, einfach einmal auf griechisch und einmal auf lateinisch.

ein ähnliches aha-erlebnis hatte ich heute, als mir aufgegangen ist, dass das dialektwort vergitzle ‘es nicht aushalten’ (meist in der wendung bin fascht vergitzlet ‘habe es kaum ausgehalten, bin (beinahe) aus der haut gefahren’) etwas mit dem gitzi, dem zicklein zu tun hat. es ist die gleiche bildung wie verchalbere ‘verwerfen, eine fehlgeburt haben’, das bei der kuh gebraucht wird, oder verlammere beim schaf. das wort bezeichnet also eigentlich das erleiden einer fehlgeburt bei der ziege. ich bin fascht vergitzlet heisst demnach im ursprünglichen sinn ‘ich hätte beinahe ein zicklein abortiert’ – wahrscheinlich im sinn von gezuckt und gezappelt wie eine abortierende ziege. ein drastisches bild!

das besondere an solchen aha-erlebnissen scheint mir zu sein, dass man im prinzip alles schon weiss, was man zur lösung des rätsels wissen muss, aber es im kopf noch nicht zusammengebracht hat. im erwähnten beispiel war mir etwa sowohl das verb vergitzle als auch das substantiv gitzi sowie die verben des typs verchalbere bekannt, ich bin aber nie auf die idee gekommen, dass sie etwas miteinander zu tun haben könnten. kommt dann der richtige hinweis – in der regel stösst man bei der lektüre eines etymologischen wörterbuchs darauf -, fällt es einem plötzlich wie schuppen von den augen und man versteht auf einen schlag, wie alles zusammenhängt.

se da

den mundartlichen ausdruck se da (phonetisch [sɛ da], mit betonung der ersten silbe) hört man in der schweiz häufig als begleitkommentar beim überreichen eines gegenstandes. wenn jemand zum beispiel in der küche nach einem schwingbesen fragt, streckt man ihr oder ihm diesen hin und spricht dazu se da! man hört auch etwa se da häsches! ‘hier hast du es!’ und derartiges.

im schweizerischen idiotikon habe ich auf anhieb nichts gefunden, was die herkunft von se da beleuchten könnte, aber im neuen zürichdeutschen wörterbuch von gallmann hat es einen eintrag dazu. gallmann meint, es handle sich beim ersten wort um die befehlsform des verbes sehen, beim zweiten um da wie im hochdeutschen, das ganze heisst also ‘siehe da!’, ‘schau hier!’, was vom kontext her gut passt. etwas seltsam ist nur, dass wir das einfache wort sehen sonst in der mundart gar nicht verwenden. wir brauchen stattdessen für (an-)schauen generell luege (imperativ lueg!), oder sonst gsee für ‘(passiv) sehen, wahrnehmen’ (ohne imperativ). es ist aber natürlich gut denkbar, dass in dieser wendung das noch im hochdeutschen gängige einfache verb sehen, bzw. eben die imperativform siehe!, überlebt hat.

was diese erklärung weiter stützt ist der umstand, dass se da dann exakt französisch voilà entspricht, das aus vois! (‘siehe’) und (‘da, dort’) besteht. ob se da eventuell sogar direkt dieser französischen vorlage nachgebildet ist, wäre noch zu prüfen, scheint mir aber durchaus möglich zu sein.

update 10.2.2015
das idiotikon äussert sich hierzu in Band VII, 1-12, unter dem stichwort sē/se (siehe besonders bedeutung 2a, sp. 7-10, sowie zur etymologie die anmerkung sp. 11f.). die darstellung im idiotikon erweckt den eindruck, es handle sich eher um eine alte interjektion, die erst sekundär mit dem verb sehen in berührung kam. die (mögliche) parallele in französisch voilà wird, soweit ich sehe, nicht erwähnt.

das problem mit dem haufen

gelesen,off-topic,Wikipedia — 5. Sep 2013

kürzlich bin ich auf ein paradox aufmerksam geworden, das sorites-paradox oder auf deutsch paradoxie des haufens genannt wird. die entdeckung hat mich sehr gefreut, da ich mir über genau diese sache schon seit längerem gedanken gemacht habe und nun endlich die bestätigung gefunden habe, dass es sich dabei um ein anerkanntes problem handelt, das sogar einen namen hat. es ist irgendwodurch beruhigend, zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der sich über solche (etwas abstrusen) dinge den kopf zerbricht…

nun, was ist die paradoxie des haufens? es handelt sich dabei um ein problem, das bei der definition vager begriffe auftritt – im prinzip ein philosophisches problem, das aber, da es um eine definitionsfrage geht, auch eine sprachliche dimension hat. die paradoxie ergibt sich dadurch, dass wir in vielen fällen mit sicherheit sagen können, dass etwas ein haufen oder aber kein haufen ist, gleichzeitig aber nicht genau definieren können, was einen haufen ausmacht. man stelle sich etwa eine menge reiskörner vor. wenn es nur wenige sind, ein oder zwei reiskörner, wird man sie nicht als einen haufen bezeichnen, bei über 1000 körnern dagegen schon. aber wo ist die grenze zwischen haufen und nicht-haufen? wieviele körner kann man von den 1000 entfernen, so dass es weiterhin ein haufen bleibt? und ab dem wievielten entfernten korn hört der haufen auf, ein haufen zu sein? darauf gibt es keine klare antwort.

nun könnte man sich natürlich damit behelfen, dass man einfach eine fixe grenze festlegt, zum beispiel bei 50 körnern. ab 50 ist es ein haufen, sonst nicht. damit ist das problem aber natürlich nicht wirklich gelöst, denn man muss zugeben, dass die grenze willkürlich gewählt wurde. es lässt sich nicht begründen, warum 49 körner keinen haufen darstellen sollen, aber 50 schon. die grenze hätte damit genausogut bei 49 gewählt werden können, oder sonstwo. und ist es wirklich einsichtig, anzunehmen, dass ein einzelnes korn den unterschied zwischen einem haufen und einem nicht-haufen ausmachen kann? die allermeisten leute werden wohl von auge eine menge von 49 körnern gar nicht von einer mit 50 unterscheiden können – wieso sollte man dann gerade da die grenze ansetzen? und falls nicht da, wo sonst? wie man sieht, hilft das festsetzen einer willkürlichen grenze nicht wirklich weiter, eine befriedigende definition des haufens zu erreichen.

persönlich habe ich mir das problem jeweils anhand der temperatur des wassers, das aus einem wasserhahn kommt, überlegt. auch bei der wassertemperatur kann man in vielen fällen eindeutig eine einstufung als ‘warm’ oder ‘kalt’ vornehmen. gleichzeitig ist es aber nicht möglich, anzugeben, wo genau die grenze zwischen ‘warm’ und ‘kalt’ liegt. die paradoxie ergibt sich dadurch, dass wir zwischen ‘warm’ und ‘kalt’ unterscheiden können, ohne dass wir diese konzepte genau definieren könnten.

das problem mag vielleicht auf den ersten blick belanglos erscheinen, ist es aber meines erachtens nicht. die einsicht, dass man vage begriffe prinzipiell nicht genau definieren kann, bedeutet, dass wir auch einfache dinge wie warmes oder kaltes wassers nicht exakt beschreiben können, obwohl sie uns intuitiv so leicht verständlich sind. das gleiche gilt natürlich für jeden vagen begriff. da auch etwa ‘schön’ – ‘hässlich’ oder ‘gut’ – ‘böse’ vage sind, und wir in gleicher weise keine grenze zwischen beiden ziehen können, wie können wir dann überhaupt je eine sichere zuordnung zum einen oder anderen machen?

update 7. sept
nachdem ich ein bisschen mehr darüber nachgedacht und auch eine anregende diskussion mit meiner freundin geführt habe, komme ich zur einsicht, dass man die sache als kognitionsproblem angehen muss. man muss also den betrachter berücksichtigen: etwas ist nie in absoluter hinsicht, sondern immer nur im auge eines betrachters ein haufen (oder ein nicht-haufen). hierzu bietet etwa die prototypensemantik einen guten ansatz. vereinfacht gesagt liefern unsere nerven eine menge ‘rohdaten’ an unser hirn, und die aufgabe des hirns ist es dann, die gelieferten werte mentalen konzepten (‘warm’, ‘kalt’) zuzuordnen und mit einer entsprechenden ‘etikette’ (z.b. die wörter warm oder kalt) zu versehen. die werte liegen dabei auf einer graduellen skala, sagen wir zum beispiel von 0 (die tiefste temperatur, die wir mit unserer haptischen wahrnehmung registrieren können) bis 1000 (höchtste wahrnehmbare temperatur). in der prototypensemantik wird nun angenommen, das wir für konzepte wie ‘warm’ oder ‘kalt’ einen bestimmten wert als prototypisch abgespeichert haben. der in einer bestimmten situation von den sinnesorganen gelieferte wert wird dann mit den prototyp-werten auf der skala verglichen. ist er nahe an einem protoyp-wert dran, können wir eine entsprechende zuordnung vornehmen. wenn er aber ungefähr gleich weit von verschiedenen prototyp-werten entfernt ist, befinden wir uns in einer grauzone, die keine eindeutige zuordnung erlaubt.

so weit so gut – aber woher haben wir die prototyp-werte? nun, es sind wohl einfach erfahrungswerte. jeder hat schon so und so viele male entsprechende werte von unseren sinnesorganen geliefert bekommen und hat diese aus dem kontext – etwa weil jemand um uns herum diese als ‘warm’ oder ‘kalt’ bezeichnet hat – als gültige werte für ‘warm’ oder ‘kalt’ registriert. es gibt also eine art trainingsphase, in der wir lernen, bestimmte werte auf der temperaturskala einem mentalen konzept zuzuordnen und mit einem namen zu versehen. dadurch entsteht mit der zeit ein prototyp-wert (oder eher ein prototyp-bereich), der es ermöglicht, neue werte einzuordnen. dazu passt auch, dass verschiedene personen zum teil unterschiedliche zuordnungen von temperaturwerten vornehmen – was für eine person ‘warm’ ist, kann für eine andere person bereits ‘heiss’ sein, umgekehrt ist, was für jene person ‘warm’ ist, für diese vielleicht bereits ‘kalt’. das hängt dann eben (abgesehen von den natürlich nicht identisch funktionierenden sinnesorganen) mit unterschiedlichen erfahrungswerten und demzufolge verschiedenen prototyp-werten zusammen.


temperaturskala

die grafik zeigt, wie aus erfahrungswerten prototyp-bereiche erschlossen und diese dann für die zuordnung neuer werte verwendet werden. die zuordnung zu einem prototyp ist bei den werten 1 (kalt) und 3 (warm) leicht, bei 2, das in der übergangszone liegt, hingegen nicht.

in diesem rahmen wäre also die frage, wie wir etwas eindeutig als ‘warm’ oder ‘kalt’ einstufen können, obwohl wir nicht genau definieren können, wo ‘warm’ anfängt und wo es aufhört, folgendermassen zu beantworten: wir können einen bestimmten temperaturwert eindeutig als ‘warm’ oder ‘kalt’ bezeichnen, wenn er auf der temperaturskala genügend nahe an unserem auf erfahrung basierenden ideal- oder prototyp-wert für ‘warm’ oder ‘kalt’ liegt.

Flexionsklassenübertritte

Diss,Open Access,VGS — 25. Aug 2013

Nach sechs jahren Arbeit bin ich sehr erfreut, verkünden zu können, dass meine Dissertation in gedruckter Fassung erschienen ist. Die bibliographischen Angaben lauten:

Thöny, Luzius (2013): Flexionsklassenübertritte. Zum morphologischen Wandel in der altgermanischen Substantivflexion. Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft, Bd. 146. Innsbruck. 375 S.
ISBN: 978-3-85124-732-9


LThöny_Diss_cover

Das Buch erscheint leider nicht in den Katalogen gängiger Versandbuchhändler, kann jedoch direkt beim Verlag bestellt werden.

Ich plane ferner, gemäss den Open-Access Richtlinien meiner Universität zusätzlich eine elektronische Version der Arbeit verfügbar zu machen. Die Freigabe wird ca. im März 2014 erfolgen.

Update: hier entlang zum Eintrag in ZORA, wo das Buch als Volltext im PDF-Format bezogen werden kann.

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